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Säure-Basen-Balance
Säure-Basen-Gleichgewicht
Auch wenn wir nach dem Trubel zum Jahresende nun etwas zur Ruhe kommen können, sollten wir uns bewusst machen, dass unser Stoffwechsel keine Pause einlegen kann. Ohne Unterlass laufen in unserem Körper nach einer ausgeklügelten Systematik chemische Reaktionen und Prozesse ab, die wir nicht aktiv bemerken, die aber lebenswichtig sind. Ohne Wasser geht gar nichts. Wasser liefert keine Energie, aber es ist Grundlage der uns bekannten Lebensvorgänge. Es besitzt ganz besondere chemische und physikalische Eigenschaften und bestimmt praktisch alle biochemischen Prozesse im Organismus. Als Hauptbestandteil unseres Körpers befindet es sich nicht nur in den Gefäßen, z.B. Blut- und Lymphgefäßen, sondern auch in unseren Zellen und im Extrazellulärraum dazwischen. Es ermöglicht als Lösungsmittel den Transport zahlreicher Substanzen in unserem Organismus und sorgt für die stabile Form unseres Körpers, indem es den Wanddruck jeder einzelnen Zelle aufrechterhält. Auch die Strukturbildung biologischer Makromoleküle wie z.B. der Enzyme wird maßgeblich von Wasser beeinflusst. Außerdem ist Wasser an der Regulation der Körpertemperatur und des Säure-Base-Haushalts beteiligt.

Der pH-Wert

Abhängig von der Temperatur liegt ein kleiner Anteil der Wassermoleküle (H₂O) immer als Ionen vor: Es zerfällt in positiv geladene, saure Protonen (H⁺) und negativ geladene, basische Hydroxyl-Ionen (OH⁻). Diese beiden Ionenkonzentrationen halten sich im neutralen, reinen Wasser die Waage und hängen in wässrigen Lösungen immer voneinander ab. Als Messwert hat man den pH-Wert (potentia hydrogenii, Wirksamkeit des Wasserstoffs) eingeführt, der die Konzentration der Protonen in einem Liter wässriger Lösung beschreibt.
Die pH-Skala erstreckt sich von 1 bis 14: pH 1 bezeichnet ein großen Überschuss an positiv geladenen H⁺-Ionen und wird als stark saures Milieu charakterisiert. Flüssigkeiten mit pH 7 reagieren neutral. In basischen Flüssigkeiten überwiegen OH⁻-Ionen, sie zeichnen sich durch einen hohen pH-Wert zwischen 8 und 14 aus.

PH-Messung

pH-Werte im biologischen System
In unserem Körper liegen in einzelnen Bereichen ganz unterschiedliche pH-Werte vor. Unser Magensaft ist eine stark saure Flüssigkeit, deren pH-Wert zur Aufspaltung unserer Nahrung unter 2 absinken kann. Damit diese starke Säure nicht auch die Zellwände unseres Magens angreift, ist der Magen mit einer schützenden Schleimhaut überzogen. Wir spüren die Säure nur ab und an, wenn sie zum Beispiel bei einer Überproduktion, als Sodbrennen bekannt, die Speiseröhre hochsteigt. Pankreassaft dagegen, der zur Verdauung von der Bauchspeicheldrüse in den Darm abgegeben wird, weist einen basischen pH-Wert von ca. 8,3 auf. Auch hier schützt eine Schleimschicht unsere Darmzellen. Unser Blut weist einen leicht basischen pH-Wert von 7,4 auf. Die Aufrechterhaltung dieses konstanten pH-Wertes ist die wichtigste Aufgabe des Säure-Base-Haushaltes.

Puffersysteme – Säure-Base-Balance

Damit die vielfältigen Reaktionen in unserem Körper optimal und reibungslos ablaufen  können, ist ein jeweils ideales, konstantes Umgebungsmilieu essentiell. Daher verfügt unser Organismus über mehrere Regulationsmechanismen, die den pH-Wert des jeweiligen Kompartiments (Blut, Intrazellulärraum, Extrazellulärraum) auf einem gleichmäßigen Niveau halten und Säuren, die im Stoffwechsel als Endprodukte biochemischer Reaktionen anfallen, neutralisieren. Diese sogenannten Puffersysteme verhindern Entgleisungen sowohl ins saure Milieu, genannt Azidose, in dem sie überschüssige Protonen abfangen, als auch ins basische Milieu, genannt Alkalose, in dem sie einen Überschuss an Hydroxyl-Ionen abpuffern. Dabei arbeiten diese Schutzmechanismen nicht isoliert, sondern alle Puffersysteme stehen miteinander im Gleichgewicht. An der Ausscheidung bzw. Rückgewinnung von Säuren und Basen und damit der Regenerierung der Puffersysteme sind vor allem die Lunge und die Nieren zentral beteiligt. Über die Lunge erfolgt die Abatmung von Säuren in Form von CO². Die Nieren regulieren die Ausscheidung überschüssiger Säuren bzw. Basen über den Urin mit Hilfe eigener effektiver Puffersysteme, deren Leistungsfähigkeit von der entgiftenden Kapazität der Leber mitbestimmt wird. Daneben können überschüssige Säuren auch über die Haut durch Schwitzen und über den Darm ausgeschieden werden.

Aus dem Gleichgewicht?

Es sind sehr viele Regulationsmechanismen am Ausbalancieren des Säure-Base-Haushaltes beteiligt. Fällt einer aus, springt ein anderer ein und übernimmt die Mehrarbeit. Wenn mehrere Puffersysteme überlastet sind oder beispielsweise die Nieren- oder Lungenfunktion eingeschränkt ist, kann der pH-Wert des Blutes nicht mehr konstant gehalten werden. Im Extremfall kann eine intensivmedizinische Überwachung des Kreislaufes notwendig werden. Der ganzheitliche Ansatz der Naturheilkunde sieht schon kleine Verschiebungen im Säure-Base-Stoffwechsel als problematisch an. Hier wird besonderer Wert darauf gelegt, die Schutzmechanismen zu unterstützen und insbesondere die Pufferkapazität des Blutes zu schonen. Da dieser für den Organismus überlebenswichtig ist, gehen naturheilkundlich orientierte Therapeuten davon aus, dass der Stoffwechsel den Geweben und den Knochen basische Mineralien entzieht und so zu einem chronischen Mineralstoffmangel führt. Als Folge eines lang andauernden Ungleichgewichts im Säure-Base-Stoffwechsel sehen sie eine Reihe von Erkrankungen, für die die Schulmedizin bisher noch keine hinreichenden Erklärungen gefunden hat.

Leben im Säure-Base-Gleichgewicht
In der Therapie setzt die Naturheilkunde unterschiedliche Maßnahmen ein, die die Puffersysteme unterstützen und die Arbeit der Ausscheidungsorgane erleichtern sollen. Für eine optimale Verwertung der Nahrung ist eine gesunde Darmflora erste Voraussetzung. Um die Puffersysteme zu entlasten, wird besonders auf eine ausreichende Zufuhr von basischen Mineralstoffen geachtet. Und zur Unterstützung der Ausscheidung überschüssiger Säuren über die Haut werden im speziellen Basen-Anwendungen eingesetzt. Bemerkenswert ist, dass im Großen und Ganzen die Maßnahmen der Naturheilkunde zur Wiederherstellung des Säure-Base-Gleichgewichtes genau dem entsprechen, was wir sowieso als gesund wahrnehmen: 

  • eine vollwertige Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse. Durch den Gehalt an basischen Mineralstoffen wirken die meisten Obst- und Gemüsesorten im Körper basenbildend, wohingegen eine fleischreiche Kost, zuckerhaltige Nahrungsmittel, Koffein und Alkohol als säurebildend eingestuft werden.
  • ausreichend Trinken. Wasser ist für uns überlebenswichtig. Um den Wasser-Elektrolyt-Haushalt und die Nierenfunktion zu unterstützen, sollen Gesunde pro Tag 2-3 Liter Flüssigkeit, am besten Wasser, trinken.
  • eine ruhige Lebensweise. Hektik und Stress können sich negativ auf unseren Stoffwechsel auswirken. Ausreichend Erholungsphasen und genügend Schlaf sind essentiell, damit der Körper Kraft schöpfen kann und die Puffersysteme regenerieren kann.
  • Bewegung an der frischen Luft. Durch bewusstes Atmen, am besten bis in den Bauchraum, wird die gesamte Lungenkapazität ausgenutzt und sowohl die Sauerstoffzufuhr als auch die Abatmung von CO₂ optimiert. Damit zeigt sich, dass eine Lebensweise mit Blick auf die Säure-Base-Balance Gesundheitsvorsorge für Jung und Alt darstellt.


Autorin: Maria Keller - Apothekerin in der Klösterl-Apotheke

„Diese Tipps klingen so leicht, und sind doch im Alltag oft gar nicht einfach umzusetzen.
Alleine ausreichend zu trinken fällt vielen schwer. Doch bereits kleine Schritte und ein Glas Wasser mehr am Tag führen in die richtige Richtung.“

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