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Gefühle und Emotionen: Wie fühlen wir?

Seit mehr als zwei Jahren sind wir geradezu einer Achterbahn der Gefühle ausgesetzt. Wir sind scheinbar ohnmächtig, als Gesellschaft und als Individuum, einer uns unbekannten Situation ausgeliefert. Dadurch werden wir sehr direkt mit Angst, Wut, Trauer und Scham konfrontiert. An Freude ist erstmal nicht zu denken. Mittlerweile ist auch mehrfach darauf hingewiesen worden, dass die psychische Gesundheit vieler Menschen dadurch negativ beeinflusst wird und die psychosomatischen Erkrankungen seitdem stark zugenommen haben. Aber was haben unsere Gefühle damit zu tun, wie funktionieren sie, welchen Einfluss haben sie auf uns, und wie können wir lernen, sie angemessen zu interpretieren und mit ihnen in Kontakt zu treten?

Wir begeben uns 2022 auf die spannende Exkursion in die Welt der Gefühle und Emotionen, blicken hinter die Begriffe und durchleuchten die positiven und negativen Kräfte der 5 Basis-Gefühle.

Was sind Gefühle?

Gefühle bestimmen unseren Tagesablauf und unser Miteinander. Sie machen uns zu sozialen Wesen und durch sie können wir Beziehungen aufbauen. Gefühle können uns belasten, aber auch zufrieden und glücklich machen. Macht man sich auf die Suche nach einer eindeutigen Definition, merkt man schnell, es gibt sie nicht. Dafür stößt man auf viele verschiedene Betrachtungsweisen. Sind die Gefühle für die einen das Produkt der Verarbeitung von äußeren Reizen, die ihren Ursprung in unseren Sinnesorganen nehmen, sehen andere darin eine neurophysiologische Reaktion, die nur im Gehirn stattfindet und die wir nicht beeinflussen können. Wieder andere vertreten die Auffassung, dass Gefühle lediglich die subjektive Erlebnisweise jedes Einzelnen sind, und sich daraus verhaltensbezogene Emotionen zeigen (lat. Emotio = heftige Bewegung). Diese körperlichen Reaktionen sind letztlich nicht nur Ausdruck der äußeren Tatsachen, sondern auch unserer eigenen Beurteilung. Das Gefühl an sich aber ist wertfrei und weder positiv noch negativ.

Gefühle sind wichtig

Babys dienen Gefühle, um ihre Bedürfnisse, wie Hunger oder Unwohlsein, auszudrücken. Als Erwachsene nutzen wir sie, um mit ihnen den Alltag zu meistern, denn wir bewerten unbewusst jede Situation mithilfe unserer Gefühle. Sie beschützen uns vor Gefahren, bringen uns ins Tun, lassen uns kreativ und zu mitfühlenden, toleranten und beziehungsfähigen Menschen werden. Gefühle galten früher als irrationale Kräfte, die der Vernunft bzw. dem Denken entgegengesetzt sind. Auch ist es noch nicht lange her, da war es verwerflich, Gefühle zu haben und diese zu zeigen; vor allem bei Männern galt dies als „unmännlich“. Gerade Trauer und Wut wurden als negativ gewertet und unterdrückt.

Gefühle haben eine Bedeutung

Jedes Gefühl hat seine Berechtigung und seine Funktion, denn hinter jedem Gefühl steht ein Bedürfnis. Jeder kennt Sätze wie: „Freu dich doch mal. Davor brauchst du doch keine Angst zu haben. Dafür brauchst Du dich nicht zu schämen.“ Alle diese „gut“ gemeinten Sätze nützen nichts, denn unsere Gefühle wollen wahrgenommen und gelebt werden. Man kann sie auch nicht einfach neutralisieren oder verschwinden lassen. Jeder Versuch, negative Gefühle zu unterdrücken, hat leider den Effekt, dass sie umso stärker zurückkehren. Und oftmals regiert unser Körper dann auf unterschiedlichste Weise darauf, denn Emotionen und körperliche Reaktionen sind untrennbar.


GEFÜHLE, EMOTIONEN & KÖRPERLICHE REAKTIONEN SIND UNTRENNBAR.


Der Umgang mit Gefühlen

Manche Menschen haben nicht gelernt, ihre Gefühle wahrzunehmen, sie anzunehmen und richtig zu interpretieren. Wie wir mit unseren Gefühlen umgehen haben wir von unseren Eltern und unserem prägenden sozialen Umfeld gelernt. Auch jede Erfahrung, die wir machen, wird im Gehirn mit dem entsprechenden Gefühl verknüpft, welches wir in dieser Situation empfinden. Nichts, was wir erleben, bleibt hier ohne Wirkung.

Auch unsere Gedanken und Taten nähren Gefühle und geben diesen die Richtung an. So können wir ein negatives Gefühl verstärken oder aber auch ein positives Gefühl unterstützen. Daher ist es erstmal wichtig, uns darüber im Klaren zu sein, was wir fühlen, welche Gedanken an diesem Gefühl hängen und auf welchem Bedürfnis das Gefühl gründet. So können wir beispielsweise verhindern, dass wir Sachen auf uns beziehen, die eigentlich gar nichts mit uns und unserer Situation zu tun haben.

Im Umgekehrten können wir durch unsere Gedanken auch Gefühle erzeugen (triggern), sie verstärken und auslegen. Das Gute ist: Wir sind unseren Gedanken nicht ausgeliefert, aber wir haben die Verantwortung gegenüber unseren Gedanken. Sie können uns in die Irre führen, daher sollten wir nicht alles glauben, was wir denken, und diese Gedanken nicht daran ausrichten, was wir früher gelernt haben, sondern an die heutige Situation, wie sie sich jetzt für uns darstellt. Als Kinder haben wir uns Überlebensstrategien angeeignet und Glaubenssätze sind in unser Leben gekommen; hier gilt es zu überdenken, ob diese heute noch für uns als selbstverantwortliche Erwachsene gelten. Einen Stopp zur richtigen Zeit einbauen und die Gedanken gegebenenfalls ändern!


GEFÜHLE VERARBEITEN WIR AUF HEILSAME ART, INDEM WIR SIE WAHRNEHMEN, ANNEHMEN, SIE VERSTEHEN UND DER SITUATION ENTSPRECHEND ANGEMESSEN AUSDRÜCKEN.


Gefühle können ansteckend sein

Kennen Sie das: Ihr Gegenüber gähnt und Sie gähnen gleich mit? Oder ein Ihnen nahestehender Mensch empfindet tiefen seelischen Schmerz und dieser quält Sie gleichermaßen? Dafür sind bestimmte Nervenzellen in unserem Gehirn verantwortlich, die sogenannten Spiegelneuronen. Durch sie reagieren wir mitfühlend und empathisch auf unsere Mitmenschen und empfinden, was sie empfinden. Die emotionale Ansteckung funktioniert aber nur, wenn uns das beobachtete Verhalten bekannt ist und wir auf eigene Vorerfahrungen zurückgreifen können. Spiegelneuronen machen uns sozusagen als soziale Menschen aus.

Gefühle und Emotionen: Wie fühlen wir?

Ist Ihr Interesse geweckt? Dann spüren Sie mal ganz bewusst Ihren Gefühlen nach. Wo im Körper spüren Sie das Gefühl? Nehmen Sie es an, und prüfen Sie, welche Gedanken mitschwingen. Sind diese noch stimmig? Und welche Bedürfnisse verbergen sich dahinter, die befriedig werden wollen?

Wie C. G. Jung schon sagte:
„Wer nach außen schaut, träumt – wer nach innen schaut, wacht auf.“

Autorin

Iris Beck

Redakteurin Klösterl-Journal