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Heimische Superfoods – Das Gute so nah

Wenn wir heute in einen Supermarkt gehen, dann haben wir das ganze Jahr über eine schier unendliche Auswahl an Lebensmitteln. Wir können sie uns aus allen Teilen der Welt einfliegen lassen und sollten demnach doch eigentlich bestens versorgt sein – oder? Interessanterweise, so fand vor Kurzem eine australische Studie heraus, war die Vielfältigkeit auf unseren Tellern vor 100 Jahren größer als sie es heute ist. Unsere Ernährung ist oft zu einseitig.

Was die Konsequenzen so einer Ernährung sind, ist den meisten bekannt. Mangelerscheinungen oder andere Folgen unzureichender Nährstoffzufuhr haben viele von uns vielleicht auch schon am eigenen Körper erlebt. Da ist es kaum verwunderlich, wenn sogenannte Superfoods, die in der Werbung als wahre Wundermittel mit allerlei Gesundheitsversprechen gepriesen werden, bei den Menschen die Hoffnung wecken, damit einfach und schnell die eigene gesundheitliche Situation zu verbessern. Und hübsch sehen Quinoa, Moringa, Chia-Samen sowie Aronia- und Goji-Beeren auf den Tellern auch noch aus.

Gar nicht so super

Der schöne Schein trügt aber, denn so bedingungslos „super“ sind diese Superfoods nicht. Sie werden nicht selten in den jeweiligen Anbauregionen unter nicht nachvollziehbaren Bedingungen für Mensch und Umwelt angebaut, werden mit dem Flugzeug oder dem Schiff von Südamerika oder Asien zu uns transportiert und weisen zu oft hohe Belastungen mit Pestiziden und anderen Giftstoffen auf. So wies Öko-Test 2016 in 20 von 21 verschiedenen Superfoods erhöhte Mengen an u.a. Cadmium, Blei, Schimmelpilzen und Pestiziden nach.

Zudem kann der Körper, wenn man Superfoods zu sich nimmt, vor allem in hoch konzentrierter Form als Pulver oder als Kapseln, überempfindlich oder sogar allergisch reagieren. Auch die Studienlage zum tatsächlichen Nährstoffgehalt sowie zur Wirksamkeit ist noch vergleichsweise dünn, weswegen die angepriesenen Gesundheitsversprechen allzu oft keine gesicherte Grundlage haben.

Wichtig zu wissen ist ergänzend, dass exotische Lebensmittel Wechselwirkungen mit Medikamenten haben können, zum Beispiel ist das bei Granatapfel, Grapefruit und Goji-Beeren der Fall. Holen Sie sich hier vorab ärztlichen Rat oder fragen Sie bei Ihrer Apotheke nach.

Der Trend um Superfoods und Wundermittel ist allerdings nicht neu. Vor einigen Jahren erfuhr Aloe Vera einen großen Hype, Schönheit und Gesundheit versprach man sich von ihr. Nicht alle diese Versprechen bewahrheiteten sich letztendlich.

Heimische Nährstoffbomben

Wie Goethe schon sagte, warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nah liegt? Klar, Hirse, Kohl und Leinsamen klingen erst einmal nicht so spannend. Doch heimische Superfoods sind nicht nur deutlich günstiger, sondern für uns auch verträglicher, unterliegen strengeren und transparenteren Kontrollen und sind durch Studien ausreichend erforscht. Sie müssen nicht erst um den halben Erdball reisen, um zu uns zu kommen, und zu guter Letzt kann es ihr Nährstoffgehalt locker mit dem der importierten Lebensmittel aufnehmen.

Was sind also unsere heimischen Nährstoffbomben? Die bereits erwähnten Leinsamen beispielsweise sind ballaststoffreich und enthalten die wichtigen Omega-3-Fettsäuren sowie Kalium, Eisen und Zink. Natürlich ist es sehr gut, hier auf Bioqualität zu achten. Leinsamen bekommt man aber, noch strenger kontrolliert und mit Prüfzertifikat, auch in der Apotheke. Die Pflanzenfarbstoffe Anthocyane, welche für die blau-violette Färbung von Beeren und Co. verantwortlich sind und antioxidativ wirken, finden sich nicht nur in Açai-Beeren, sondern auch in Holunderbeeren, Heidelbeeren, Rotkohl und roten Trauben. Heidelbeeren enthalten zudem Vitamin C, A und E.

Hirse, Johannisbeere und Co.

Hirse enthält, wie Quinoa, viel Eisen, Zink und Protein. Besonders die Braunhirse sticht dabei hervor: Sie enthält zusätzlich viel Kieselsäure, reichlich B-Vitamine und ist eines der mineralstoffreichsten Getreide der Welt. In Sachen Vitamin C ist besonders die schwarze Johannisbeere zu nennen. Sie enthält nicht nur mehr Vitamin C als Goji-Beeren, sie kann, da sie hier wächst, auch ganz frisch und unverarbeitet verzehrt werden. Sonnenblumen- und Kürbiskerne sowie Walnüsse sind ein idealer und gesunder Snack für Zwischendurch. Besonders letztere enthalten viel von den wichtigen ungesättigten Fettsäuren sowie reichlich Eisen. Feldsalat ist der Champion unter den Blattsalaten: Er kann mit Eisen, Beta-Carotin, Vitamin C und Kalium aufwarten.

Leckere Rezepte

Weitere heimische Nährstoff-Schätze sind Brokkoli, Grünkohl, Pastinake, Himbeeren, Topinambur, grüner Spargel, Brennnessel, Lupine, Rapsöl, Hafer, Knoblauch, Wirsing, Sauerkraut und Buchweizen. Daraus lassen sich wirklich das ganze Jahr über gesunde und vielseitige Gerichte zubereiten. Im Winter eine wärmende Suppe aus Pastinake, Topinambur und Kartoffel und im Sommer ein leichter Salat aus Feldsalat mit Himbeeren und kleingehackten Walnüssen – hört sich super an!

Vielseitiges Lebensmittelkonzert

Exotische Superfoods sind natürlich nicht per se schlecht. Auch sie können in kontrollierter Bioqualität gekauft werden. Trotzdem sollte nicht unsere ganze Aufmerksamkeit auf ihnen liegen. Wenn wir sie ab und zu in moderaten Mengen in den Speiseplan integrieren, ist das völlig ok. Unsere Ernährung sollte eine Sinfonie verschiedenster Töne und Stimmen sein, die zusammen ein harmonisches Konzert ergeben. Um uns gesund zu halten, sind unsere heimischen – und bestenfalls saisonalen – Lebensmittel aber absolut ausreichend. Sie sind genauso nährstoffreich und kreativ anwendbar wie die exotischen Superfoods und haben gleichzeitig eine bessere Klimabilanz, und sie unterstützen die hiesige Landwirtschaft. Meine Biologielehrerin sagte immer, die Natur macht nichts ohne Grund. Und es stimmt, wir sind perfekt an die uns umgebende Natur angepasst, sie gibt uns alles, was wir benötigen – wir müssen es nur nutzen.

Autorin

Anita Schedler

Redakteurin Klösterl-Journal