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Kleine Dose, großer Aufwand: So entstehen individuelle Rezepturen in der Apotheke
Wenn Standard nicht ausreicht
Die Kunst der Rezeptur – So entstehen individuelle Rezepturen in der Apotheke
Wenn man in der Apotheke ein Rezept abgibt, scheint es einfach: Rezept hinlegen, kurz warten, Medikament bekommen. Doch besonders bei individuell hergestellten Arzneimitteln steckt dahinter ein Prozess mit zahlreichen Prüfschritten, klaren Vorgaben und viel Fachwissen.
Rezeptannahme
Das Rezept wird entgegengenommen und auf formale Dinge wie Arztstempel, Unterschrift, Gültigkeit, Vollständigkeit, Abgabefähigkeit und Lesbarkeit geprüft. Fehlt beispielsweise eine Dosierungsangabe oder Unterschrift, wird Rücksprache mit der Arztpraxis gehalten. Jede Angabe muss stimmen, da die Krankenkasse die Rezeptur sonst möglicherweise nicht erstattet und die Apotheke die Kosten trägt.
Zeitaufwand: ca. 5 Minuten – hier entscheidet sich die Basis für alles Weitere
Pharmazeutische Beurteilung
Vor der Herstellung führt der/die Apotheker:in eine Plausibilitätsprüfung durch. Dabei wird unter anderem geprüft,
- ob die Zusammensetzung zum Anwendungszweck passt,
- die Dosierung korrekt ist,
- Wirkstoffe und Grundlage verträglich sind und
- wie lange die Rezeptur haltbar ist.
Anschließend wird eine Herstellungseinweisung mit Zusammensetzung, Herstellungsmethode, Packmittel, Arbeitsschutzmaßnahmen, Geräten und Inprozesskontrollen erstellt. Danach wird geprüft, ob alle Rohstoffe verfügbar sind. Diese müssen den Anforderungen des Arzneibuchs entsprechen und mindestens einer Identitätsprüfung unterzogen werden.
Zeitaufwand: ca. 8 – 10 Minuten – hier steckt pure Fachkompetenz drin
Vorbereitung und Herstellung
Vorbereitung im Rezepturlabor
Im Labor wird alles vorbereitet: Schutzkleidung wird angelegt, Waagen geeicht, Arbeitsflächen werden desinfiziert sowie Rohstoffe und Verpackungen bereitgestellt. Alle Arbeitsschritte und Einwaagen werden auf dem Herstellungsprotokoll dokumentiert, damit die Herstellung vollständig nachvollziehbar bleibt.
Zeitaufwand: ca. 5 – 8 Minuten – Präzision und Hygiene stehen an erster Stelle
Herstellung der Rezeptur
Jetzt beginnt die eigentliche Handarbeit: Wirkstoffe werden abgewogen, mit Grundlagen vermischt, geschmolzen oder verrührt. Dabei sind Erfahrung und Präzision erforderlich, damit Konsistenz und Dosierung stimmen. Die PTA misst, rührt, prüft (manchmal auch mit Hilfe von Maschinen) und trägt alles im Herstellprotokoll ein.
Zeitaufwand: ca. 10 – 15 Minuten – das Herzstück des Prozesses
Abfüllen, Etikettieren, Verpacken
Die Zubereitung wird in die passende Dose, Flasche oder Tube gefüllt. Das Etikett enthält alle rechtlich vorgeschriebenen Angaben, darunter Zusammensetzung, Haltbarkeit, Lagerung und Dosierung.
Zeitaufwand: ca. 3 – 5 Minuten – jedes Etikett ist ein Sicherheitsversprechen.
Qualitätskontrolle und Dokumentation
Fertig? Noch nicht ganz. Jede Rezeptur wird auf Aussehen, Gewicht, pH-Wert, Homogenität und die Richtigkeit der Kennzeichnung geprüft. Erst danach erfolgt die Freigabe durch eine Apothekerin oder einen Apotheker. Zeitaufwand: ca. 5 – 7 Minuten – Qualität braucht einen zweiten Blick
Abgabe und Beratung
Zurück in der Offizin bekommt der Patient / die Patientin das individuelle Arzneimittel persönlich überreicht. Apotheker:innen oder PTA erläutern Anwendung, Dosierung und Lagerung damit das Medikament sicher und wirksam eingesetzt wird.
Zeitaufwand: ca. 3 – 5 Minuten – Vertrauen und Kompetenz am Tresen
Wird die Rezeptur versendet, kommen weitere Arbeitsschritte hinzu.
Teamarbeit für die Gesundheit
Von der Annahme bis zur Abgabe fallen rund 40–50 Minuten Arbeitszeit an, meist verteilt auf zwei bis drei Mitarbeitende. Obwohl die Vergütung gesetzlich festgelegt ist, deckt sie den Aufwand häufig nur knapp. Für die Apotheke steht jedoch die Versorgungssicherheit im Vordergrund. Was am Tresen als Salbe, Lösung oder kleine Dose übergeben wird, ist das Ergebnis streng geregelter Prozesse und engagierter Teamarbeit.