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Phytotherapie: Sanfte Pflanzenpower für die Kleinen

Wenn es um die Behandlung eines kranken Kindes geht, wählen Eltern oft natürliche Heilmittel, die der kleine Körper gut verträgt. Natürlich wünscht man sich ein Mittel, das mild und wirksam ist. Neben der Homöopathie genießt hier die Kräuterheilkunde, die Phytotherapie, nicht umsonst ein hohes Ansehen.

Gerade in der kalten Jahreszeit, wenn sich die Kinder die klassischen Erkältungskrankheiten einfangen, sind Heilpflanzen gute Helfer, die die Beschwerden sanft, aber dennoch e­ffektiv lindern. Hierzu gehören unter anderem Efeu, Eibisch, Kamille, Malve, Schlüsselblume, Spitzwegerich und Thymian. Pflanzen, welche von Lutschpastillen und Säften bis hin zu Tees und ätherischen Ölen in unterschiedlichen, auch kindgerechten Darreichungsformen erhältlich sind.

Husten, Schnupfen und Heiserkeit schnell überwinden

Während Efeu, Schlüsselblume, Spitzwegerich und Thymian schleimlösend wirken und so das Abhusten eines fest sitzenden, zähen Schleims erleichtern, befeuchten Eibisch und Malve aufgrund ihres hohen Gehalts an Schleimstoffen die trockenen und gereizten Schleimhäute.

Auf diese Weise lindern sie nicht nur den Reizhusten, sondern auch Heiserkeit und Halsschmerzen. Kamille, Salbei und Thymian wirken antiviral und antibakteriell. Wird ein aus diesen Kräutern zubereiteter Tee langsam schluckweise getrunken, lassen Halsschmerzen schnell nach. Ältere Kinder können damit auch gurgeln. Alternativ können Halspastillen mit entsprechenden Kräutern angeboten werden.

Eine aktuelle Studie zeigte zudem, dass ein Extrakt aus der Kapland-Pelargonie die Krankheitsdauer bei Husten und Halsschmerzen durchschnittlich um zwei Tage verkürzen kann.

Aromatherapie: Inhalationen und Wickel gegen Infekte

Besonders wirksam sind bei Husten und Schnupfen ätherische Öle, die aus Arzneipflanzen gewonnen werden. Sie können inhaliert, aber auch für Wickel und Einreibungen verwendet werden. Dabei werden die Öle nicht nur über die Atemwege aufgenommen, sondern auch über die Haut.

Zum Inhalieren werden beispielsweise wenige Tropfen ätherisches Thymianöl in heißes Wasser gegeben. Kinder ab sechs Jahren inhalieren unter Aufsicht den warmen Dampf mehrmals täglich für fünf bis zehn Minuten mit einem Handtuch über dem Kopf.

Anwendung ätherischer Öle

Bei jüngeren Kindern kann man ätherische Öle auch direkt auf der Höhe des Brustkorbs auf die Kleidung oder auf eine Kompresse geben, damit die Kinder daran riechen können. Tropft man etwas ätherisches Öl auf ein Tuch, kann man dieses zudem nachts neben das Bett des schlafenden Kindes legen. Schon wenige Tropfen Fichtennadel- oder Thymianöl wirken auf diesem Wege antiviral, schleimlösend und abschwellend.

Bei älteren Schulkindern sind auch Eukalyptus- oder Pfe­fferminzöl geeignet, während diese Öle bei jüngeren Kindern vermieden werden sollten, da sie einen Krampf in den Atemwegen verursachen könnten.

Eine weitere, effektive Möglichkeit zur Behandlung von Erkältungen mit Halsschmerzen und Husten ist ein Brustwickel (siehe Absatz am Ende der Seite). Vor einer Anwendung auf der Haut sollte immer die Verträglichkeit der ätherischen Öle in der Armbeuge getestet werden.

Ohrenschmerzen?

Bei Ohrenschmerzen können je ein Tropfen Kamille blau und Lavendel mit einem Tropfen Olivenöl gemischt und auf eine Kompresse aufgetragen werden. Die Kompresse darf nicht tropfen, damit kein Öl in den Gehörgang läuft, wenn sie auf das Ohr aufgelegt wird. Anschließend wird die Kompresse mit einem Schal fixiert. Die Öle wirken antiviral, entzündungshemmend, schmerzlindernd und abschwellend.

Bei Kindern, die Kompresse und Schal als unangenehm empfinden, kann die Haut rund um das Ohr im Bereich von Wange und Nacken mit einer Mischung aus je einem Tropfen Lavendel-, Teebaum- und Olivenöl eingerieben werden.

Stärkung des Immunsystems

Das Immunsystem kann bei infektanfälligen Kindern auf unterschiedliche Weise gestärkt werden. Geeignet sind neben Zubereitungen aus dem roten Sonnenhut – vielen bekannt unter dem botanischen Namen „Echinacea purpurea“ – auch Bioflavonoid-reiche Pflanzenzubereitungen und -säfte, z.B. aus dem Sanddorn.

Wenn‘s im Bauch zwickt

Ein weiteres breites Anwendungsgebiet von Heilpflanzen sind Verdauungsstörungen, die bei Kindern nicht selten begleitend zu Erkältungen auftreten. So lindern Fenchel und Kümmel beispielsweise Blähungen, Krämpfe und Bauchschmerzen. Sie fördern die Verdauung und regen den Appetit an.

Wenn Kinder keinen Tee trinken möchten, können die ätherischen Öle der Heilpflanzen auch auf der Haut angewendet werden. Eine solche „Vier-Winde-Salbe“ kann bei Blähungen und Bauchschmerzen in kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn in die Bauchhaut einmassiert werden.

Traditionelle Heilmittel

Arzneipflanzen sind bei vielen Beschwerden effektiv und werden daher nicht nur von medizinischen Fachgesellschaften wiederentdeckt. Viele der von den Großeltern überlieferten Hausmittel sind wissenschaftlich allerdings noch nicht umfassend untersucht, weshalb ein klinischer Wirkungsnachweis bisher oftmals aussteht.

Für viele Heilpflanzen wurde darüber hinaus die Unbedenklichkeit bei Kindern bis heute nicht erbracht, was auch daran liegt, dass die Wissenschaft sowie Eltern sehr zurückhaltend sind, wenn es darum geht, evidenzbasierte Studien mit Kindern durchzuführen. Somit werden derzeit offiziell nur wenige Heilpflanzen für Kinder ab einem Alter von vier Jahren empfohlen, obwohl aufgrund traditioneller Überlieferungen Eltern ihren Kindern ein viel breiteres Spektrum an Arzneikräutern verabreichen.


Hals- und Brustwickel für Kinder bei Erkältungen

1 Tropfen Benzoe sowie je 3 Tropfen Lavendel und Niaouli mit 20 ml Mandelöl mischen, im Wasserbad leicht erwärmen, bis die Temperatur als angenehm warm empfunden wird. Anschließend den Hals oder die Brust des Kindes mit dem Öl einreiben. Das Hautareal wird sodann in ein angewärmtes Handtuch gewickelt, auf das eine Wärmflasche oder ein warmes Kirschkernkissen aufgelegt wird. Nach 10 Minuten wird der Wickel entfernt und eventuell noch nicht eingezogenes Öl verrieben. Wickel sollten nur zweimal täglich angewendet werden.


Autorin

Sabine Ritter

Apothekerin und Heilpraktikerin