ABONNIEREN Sie unseren Newsletter

Melden Sie sich zum Newsletter der Klösterl-Apotheke an und bleiben Sie informiert über neue Artikel zu Gesundheitsthemen, unsere Sonderangebote und Aktionen und interessante Informationen rund um die Klösterl-Welt.
Eisenmangel – Müde ist nicht gleich müde
Eisen ist ein lebenswichtiges Spurenelement. Als Bestandteil des Hämoglobins in den roten Blutkörperchen transportiert es Sauerstoff von der Lunge in jede Körperzelle. Auch das Myoglobin der Muskelzellen enthält Eisen und dient als Sauerstoffspeicher, damit bei körperlicher Belastung sofort Energie in den Mitochondrien bereitgestellt werden kann. Darüber hinaus wird Eisen für die Energiegewinnung selbst sowie für zahlreiche Stoffwechselprozesse benötigt, darunter Entgiftung, Infektabwehr, Entzündungsregulation sowie die Bildung von Vitamin D, den Glückshormonen Dopamin und Serotonin sowie den Steroid- und Schilddrüsenhormonen.
Ein Eisenmangel kann sich von blasser Haut, Haarausfall, Mundwinkelrhagaden, nicht erholsamem Schlaf, Müdigkeit, Infektanfälligkeit, Konzentrationsstörungen, Schwindel, Fatigue, Belastungsintoleranz, Stimmungstiefs bis hin zur lebensbedrohlichen Luftnot äußern. Da diese Beschwerden unspezifisch sind, ist zur Diagnose eines Eisenmangels der Blick auf einige Laborwerte sinnvoll.
Inhaltsverzeichnis
Die Reise des Eisens
Die Eisenresorption (siehe Abbildung) erfolgt überwiegend im Zwölffingerdarm (Duodenum) direkt nach der Magenpassage. Der zweiwertige Hämeisen-Komplex (Fe2+) aus tierischen Quellen wie Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten wird direkt über einen spezifischen Hämtransporter (1) in die Darmschleimhautzelle (Enterozyt) aufgenommen, wo es aus dem Komplex herausgelöst wird. Dreiwertiges Nicht-Hämeisen (Fe3+) aus pflanzlichen Quellen wie Getreide, Gemüse und Hülsenfrüchten muss zunächst durch ein Enzym (2) zu Fe2+ umgewandelt werden, bevor es über den Metalltransporter (3) in die Enterozyten gelangt. Dort wird Eisen entweder als Ferritin (4) gespeichert oder über den Eisentransporter Ferroportin (5) ins Blut abgegeben. Das Enzym (6) wandelt Fe2+ in Fe3+ um, das sich nur dann an Transferrin (7) binden kann. Das als „Eisen-Taxi“ bezeichnete Transferrin verteilt das Eisen im Blut und transportiert es vorrangig zum Knochenmark (8), da die Bildung roter Blutkörperchen (Erythrozyten) (9) höchste Priorität hat. Überschüssiges Eisen im Blut wird als Ferritin in Leber (12), Milz und Knochenmark gespeichert. Makrophagen (10) (Abwehrzellen) recyceln alte Erythrozyten und speichern das zurückgewonnene Eisen. Ferroportin (5) findet sich in der Membran aller eisenspeichernden Zellen und exportiert Eisen ins Blut. Für einen ausgeglichenen Eisenstoffwechsel spielt Hepcidin (11) eine zentrale Rolle. Ist genügend Eisen vorhanden, bildet die Leber (12) Hepcidin (11). Dieses hemmt (13) Ferroportin, stoppt die Eisenresorption im Darm und hält Eisen als Ferritin in den Speicherzellen zurück. Eisen wird dem Blutkreislauf vorübergehend entzogen. Fehlt dem Stoffwechsel Eisen, sinkt der Hepcidin-Spiegel und Eisen kann wieder ins Blut geschleust werden. Der Körper besitzt praktisch keine Möglichkeit, überschüssiges Eisen auszuscheiden. Nur geringe Mengen gehen über abgestoßene Haut- und Darmzellen sowie Schweiß verloren.
Warum Eisen knapp werden kann
Kinder und Jugendliche im Wachstum, Mädchen und Frauen durch die monatliche Menstruation sowie Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Eisenbedarf. Eisenverluste können die Folge häufigen Blutspendens, versteckter Blutungen im Magen-Darm-Trakt oder starkes Schwitzen beim Sport sein. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen und Zöliakie können die Eisenresorption verschlechtern. Akute und chronische Entzündungen einschließlich Stress und Adipositas steigern die Hepcidin-Freisetzung.
Was bremst die Eisenaufnahme?
Die Aufnahme von Eisen aus der Nahrung ist deutlich geringer als häufig angenommen. Tierisches Hämeisen ist wesentlich besser verfügbar als pflanzliches Nicht-Hämeisen. Phytinsäure aus Getreide und Hülsenfrüchten, Oxalsäure aus Spinat, Mandeln oder Kakao sowie Gerbstoffe und Polyphenole aus grünem und schwarzem Tee binden Eisen und vermindern dessen Aufnahme. Deshalb sollten insbesondere Vegetarier und Veganerinnen ihren Eisenstatus regelmäßig kontrollieren lassen. Zudem konkurrieren Zink, Calcium sowie andere Metalle einschließlich Cadmium und Blei im Darm mit Eisen um denselben Transportweg. Auch Arzneimittel wie Magensäureblocker, Abführmittel und manche Antibiotika können die Eisenaufnahme beeinträchtigen.
Dem Mangel auf der Spur
Ein Hämoglobinwert im Referenzbereich spricht für eine ausreichende Sauerstoffversorgung. Ob darüber hinaus genügend Eisen für alle eisenabhängigen Stoffwechselprozesse vorhanden ist, zeigt vor allem der Ferritinwert als Maß für die Eisenspeicher. Diese entleeren sich vor dem Abfall des Hämoglobins. Während manche den unteren Referenzwert von 15 µg/l als ausreichend ansehen, empfehlen andere Ärzte – insbesondere bei Frauen im gebärfähigen Alter – mindestens 50 µg/l. Da Ferritin bei Entzündungen ansteigt, ist der Wert dann nur eingeschränkt aussagekräftig. In diesen Fällen liefern der Transferrin-Wert und die Transferrinsättigung mit Eisen wichtige Hinweise auf die tatsächliche Eisenversorgung.
Eisenspeicher gezielt füllen
Die wichtigste Eisenquelle bleibt die Ernährung. Frauen sollten täglich etwa 15 mg, Männer etwa 10 mg Eisen aufnehmen. Tierische Lebensmittel liefern gut verfügbares Hämeisen. Die Aufnahme pflanzlichen Eisens wird durch eiweißreiche Mahlzeiten und Vitamin C verbessert, beispielsweise aus Petersilie, Paprika oder Zitronen- und Orangensaft. Vitamin C vermindert die hemmende Wirkung von Phytinsäure und Polyphenolen und kann zudem Hepcidin senken.Calciumreiche Milchprodukte sowie oxalsäure- und mineralstoffreiche Lebensmittel sollten möglichst nicht gleichzeitig mit eisenreichen Mahlzeiten verzehrt werden. Kaffee sowie grünen und schwarzen Tee genießt man besser etwa 30 Minuten nach dem Essen.
Bevor die Puste ausgeht
Ist ein Eisenmangel ärztlich diagnostiziert, reicht eine eisenreiche Ernährung meist nicht aus, um die Speicher wieder aufzufüllen. Neben der Ursachenforschung ist in der Regel eine mindestens sechsmonatige orale Eisentherapie erforderlich. Ist diese wegen Nebenwirkungen oder Aufnahmestörungen nicht möglich, kann eine Eiseninfusion notwendig werden.
Viele Eisenpräparate reagieren mit Nahrungsbestandteilen. Deshalb sollen eisenhaltige Tabletten oder Kapseln idealerweise eine Stunde vor oder zwei Stunden nach einer Mahlzeit beziehungsweise vor dem Schlafengehen eingenommen werden. Häufige Nebenwirkungen durch die Nüchtern-Einnahme sind Bauchschmerzen, Übelkeit, Verstopfung und Blähungen; ein dunkel gefärbter Stuhl ist dagegen harmlos. Verträglicher sind magensaftresistente Präparate. Hilfreich ist, ein hoch dosiertes Eisenpräparat (mit 50 bis 100 mg Eisen) zu Beginn einer eisenfreundlichen Mahlzeit einzunehmen. Ein rascher Anstieg des Eisenspiegels kann im Blut einerseits die Bildung freier Radikale begünstigen, wenn Transferrin Eisen nicht ausreichend bindet (Radikale können Entzündungen fördern und Organe schädigen) und andererseits die Eisenaufnahme durch die Hepcidin-Freisetzung für etwa 24 Stunden hemmen. Man empfiehlt inzwischen, hochdosierte Eisenpräparate nur jeden zweiten Tag einzunehmen. Ein Forscherteam aus Zürich zeigte, dass eine niedrige Eisendosierung effizienter aufgenommen wird als eine hohe und die Eisenwerte schonender und nebenwirkungsärmer anhebt. Inhaltsstoffe der niedrigdosierten Präparate (um die 15 mg Eisen) sind Eisencitrat in Kombination mit Vitamin C, Eisenbisglycinat sowie komplexe Eisenverbindungen aus Curryblatt und dem Koji-Pilz Aspergillus oryzae.
Stark für den Eisenstoffwechsel
Weitere Mikronährstoffe unterstützen den Eisenstoffwechsel: Vitamin A oder Betacarotin vermindern den hemmenden Einfluss der Phytinsäure, Kupfer ermöglicht die Bindung von Eisen an Transferrin. Vitamin B2, B6, B12 und Folsäure werden für die Blutbildung benötigt. Vitamin D und Lactoferrin können Hepcidin-bedingte Blockaden des Eisentransports abschwächen. Das antientzündlich wirkende Protein Lactoferrin verbessert zusätzlich die Eisenaufnahme sowie dessen Verteilung im Blut. Ein gut versorgter Eisenstoffwechsel ist die Grundlage für Energie, Konzentration und Wohlbefinden – es lohnt sich, ihm Aufmerksamkeit zu schenken.
Autorin
Bettina Wadewitz
Klösterl-Redakteurin und Apothekerin