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Fit im Kopf – Gedächtnis verstehen, schützen, trainieren
Unser Gehirn ist ein faszinierendes Organ: Es steuert Bewegung, Wahrnehmung, Denken, Fühlen und nicht zuletzt unser Gedächtnis. Doch wie genau funktioniert unser Gedächtnis eigentlich? Welche Faktoren beeinflussen unsere geistige Leistungsfähigkeit im Alltag? Und was können wir tun, um Risiken wie kognitiven Abbau und Demenz vorzubeugen?
Inhaltsverzeichnis
- 1. Wie unser Gedächtnis arbeitet
- 2. Wie Erinnerungen entstehen
- 3. Gedächtnisleistung im Alltag
- 4. Ursachen kognitiver Einschränkungen
- 5. Kognitive Einschränkungen bei psychischen Erkrankungen
- 6. Demenz – was Sie wissen sollten
- 7. Risikofaktoren und Warnsignale
- 8. Prävention - wie Sie Ihr Gedächtnis stärken
- 9. Gehirnjogging lohnt sich!
Wie unser Gedächtnis arbeitet
Unser Gedächtnis ist kein einzelner „Speicher“, sondern ein Zusammenspiel verschiedener Systeme, die eng zusammenarbeiten – und die wir aktiv unterstützen können:
Sensorisches Gedächtnis
Alles, was wir wahrnehmen – ein Geräusch, ein Bild oder ein Duft – wird hier für Sekundenbruchteile festgehalten. Es ist der „erste Schnappschuss“ unserer Wahrnehmung und entscheidet, welche Eindrücke weiterverarbeitet werden.
Kurzzeit- oder Arbeitsgedächtnis
Hier behalten wir Informationen nur für kurze Zeit, zum Beispiel eine Telefonnummer, die wir gerade eingeben, oder Wörter im Satz. Das Arbeitsgedächtnis ist wie ein kleiner Notizzettel im Kopf – begrenzt, aber flexibel und trainierbar.
Langzeitgedächtnis
Das Langzeitgedächtnis speichert Informationen über Minuten, Jahre oder sogar ein ganzes Leben hinweg. Es teilt sich in das explizite Gedächtnis (bewusst abrufbare Fakten, Namen, Erlebnisse) und das implizite Gedächtnis (unbewusstes Wissen wie Fahrradfahren, Klavierspielen und emotionale Reaktionen).
Ein gesundes Zusammenspiel dieser Gedächtnisbereiche ist entscheidend für unsere geistige Leistungsfähigkeit. Glücklicherweise können wir unser Gedächtnis gezielt stärken und schützen.
Wie Erinnerungen entstehen
Gedächtnisbildung bedeutet, dass Nervenzellen (Neuronen) im Gehirn miteinander verknüpft werden. Je häufiger eine Information genutzt wird, desto stabiler werden diese Verbindungen, die sogenannten Synapsen. Dieser Prozess nennt sich Neuroplastizität: die Fähigkeit des Gehirns, sich zu verändern, neue Verbindungen zu bilden und sich anzupassen.
Gedächtnisleistung im Alltag
Unsere geistige Leistungsfähigkeit zeigt sich in vielen alltäglichen Situationen: beim Merken von Namen beim Kennenlernen, beim Behalten von Einkaufslisten im Kopf, beim Organisieren von Terminen oder beim Erlernen neuer Fähigkeiten. Mit zunehmendem Alter kann die Gedächtnisleistung kurzfristig etwas nachlassen, das ist in der Regel normal und kein Grund zur Sorge. Problematisch wird es jedoch, wenn die Veränderungen deutlich über das altersübliche Maß hinausgehen, etwa wenn Alltagsfähigkeiten beeinträchtigt werden oder sich die Orientierung verschlechtert.
Ursachen kognitiver Einschränkungen
Kognitive Schwierigkeiten im Alltag können viele Ursachen haben und sind nicht immer ein Anzeichen für Demenz. Vorübergehende Einschränkungen können auftreten durch:
- Brain Fog: ein Gefühl von geistiger Trägheit oder „verschwommenem Denken“, oft ausgelöst durch Schlafmangel, Stress oder ungesunde Ernährung
- Stress und Überlastung: dauerhafte geistige oder körperliche Beanspruchung kann die Konzentration und Gedächtnisleistung beeinträchtigen
- Hormonelle Veränderungen: zum Beispiel ab der Perimenopause oder bei Schilddrüsenerkrankungen
- Medikamente oder gesundheitliche Probleme: einige Medikamente, Infekte oder chronische Erkrankungen können das Denken vorübergehend verlangsamen
Solche Einschränkungen sind häufig vorübergehend und behandelbar. Wenn sie jedoch länger anhalten oder zunehmen, ist ärztlicher Rat sinnvoll, um ernsthafte Ursachen auszuschließen.
Kognitive Einschränkungen bei psychischen Erkrankungen
Auch psychische Erkrankungen können die geistige Leistungsfähigkeit deutlich beeinflussen. Betroffene berichten häufig über Konzentrationsprobleme, Gedächtnislücken oder verlangsamtes Denken. Häufige Zusammenhänge sind:
- Depressionen: Gedächtnis und Aufmerksamkeit können vermindert sein; Betroffene fühlen sich oft geistig „langsamer“
- Angststörungen: Dauerhafte Anspannung beeinträchtigt die Konzentration und Merkfähigkeit
- Burnout / chronische Überlastung: Erschöpfung und Stress können zu brain-fog-ähnlichen Symptomen führen
- ADHS: Schwierigkeiten, sich zu fokussieren, Aufgaben zu planen oder Informationen zu behalten
Die Ursachen sollten ärztlich abgeklärt werden, um geeignete Therapiemaßnahmen einzuleiten. Mit gezielter Therapie (Psychotherapie), gegebenenfalls Medikation, Stressmanagement, ausreichend Schlaf, Bewegung und kognitivem Training (siehe auch Seite 11 „Was ist eigentlich…? Ergotherapie“) lässt sich die Leistungsfähigkeit wieder deutlich verbessern.
Demenz – was Sie wissen sollten
Demenz ist kein einzelnes Krankheitsbild, sondern ein Überbegriff für verschiedene Erkrankungen, bei denen das Gedächtnis und die geistige Leistungsfähigkeit so stark abnehmen, dass der Alltag nur noch eingeschränkt selbstständig oder nur noch mit Hilfe bewältigt werden kann.
Alzheimer – die häufigste Form
Bei der Alzheimer-Demenz lagern sich bestimmte Eiweiße im Gehirn ab, sogenannte Amyloid-Plaques und Tau-Proteine. Dadurch werden Nervenzellen geschädigt und das Gedächtnis zunehmend beeinträchtigt.
Eine weitere Demenzform ist die vaskuläre Demenz. Sie entsteht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn. Zu den nicht so häufigen Varianten der Demenz gehören u.a. die Lewy-Körper-Demenz und Frontotemporale Demenz. Sie betreffen unterschiedliche Gehirnregionen und verursachen jeweils charakteristische Symptome.
Risikofaktoren und Warnsignale
Einige Faktoren lassen sich nicht ändern, wie z. B. das höhere Alter oder die genetische Veranlagung. Andere können wir gezielt beeinflussen und dadurch das Risiko minimieren: Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Bluthochdruck oder Diabetes), Rauchen, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, soziale Isolation oder mangelnde geistige Aktivität.
Die ersten Anzeichen einer ernsthaften Gedächtnisbeeinträchtigung sind oft subtil: Vergesslichkeit, Wortfindungsprobleme, Verwirrung in ungewohnter Umgebung oder Schwierigkeiten bei alltäglichen Aufgaben. Wenn solche Veränderungen auftreten, ist es sinnvoll, ärztlichen Rat einzuholen. Professionelle Screening-Tests wie MMSE oder DemTect können helfen, mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls gezielt zu behandeln.
Prävention – wie Sie Ihr Gedächtnis stärken
Auch wenn Demenz nicht vollständig verhindert werden kann, zeigen Studien: Ein gesunder Lebensstil hält das Gehirn leistungsfähig, schützt das Gedächtnis und kann kognitive Einschränkungen deutlich reduzieren.
Bewegung – aktiv für Körper und Gehirn
Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert die Durchblutung des Gehirns, fördert die Neubildung von Nervenzellen und unterstützt die allgemeine Gesundheit. Wer aktiv bleibt, hält nicht nur Herz, Kreislauf und Muskeln fit, sondern stärkt auch seine Gedächtnisleistung.
Empfehlung: Mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche, z. B. zügiges Gehen, Radfahren oder Tanzen.
Ernährung – Brainfood für das Gedächtnis
Eine ausgewogene Ernährung kann die Gehirnfunktion fördern und das Gedächtnis im Alter stärken. Studien zeigen, dass eine Mediterrane Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Vollkorn, Fisch, Olivenöl und Nüssen ist, die kognitive Gesundheit unterstützen kann.
Geistige Aktivität – „Use it or lose it“
Das Gehirn funktioniert wie ein Muskel: Wer es regelmäßig fordert, erhält seine Leistungsfähigkeit und hält das Gehirn fit. Aktivitäten wie z. B. lesen, schreiben, Rätseln oder eine neue Sprache erlernen stimulieren positiv unser Gehirn. Das gilt auch für kreative Tätigkeiten, Weiterbildungen oder soziale Interaktionen wie z. B. ein Ehrenamt.
Schlaf & Stress – das Gehirn erholen lassen
Guter Schlaf festigt Erinnerungen und unterstützt die Gedächtniskonsolidierung. Chronischer Stress setzt Cortisol frei, das langfristig Nervenzellen schädigen kann.
Tipps: 7–9 Stunden Schlaf pro Nacht, Entspannungstechniken wie Meditation oder Atemübungen, regelmäßige Pausen im Alltag.
Herz-Kreislauf-Gesundheit – Gehirn schützen
Ein gesunder Blutdruck, sowie Cholesterinwerte und Blutzucker im Normbereich reduzieren nicht nur Herzrisiken, sondern schützen auch die Blutgefäße im Gehirn.
Maßnahmen: Bewegung, gesunde Ernährung, Rauchstopp, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen.
Gehirnjogging lohnt sich!
Gut zu Wissen! Wenn wir auf Bewegung, Ernährung, geistige Aktivität, Schlaf, Stressmanagement und Herz-Kreislauf-Gesundheit achten, unterstützen wir unser Gedächtnis im Alter, halten unser Gehirn leistungsfähig und können gleichzeitig das Risiko für Demenz oder andere kognitive Einschränkungen reduzieren.
Autorin
Iris Beck
Redakteurin Klösterl-Journal, Heilpraktikerin für Psychotherapie