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Schwarzer Holunder
Steckbrief
Wissenschaftlicher Name:
Sambucus niger
Weitere Namen:
Elderbaum, Ellhorn, Hölder, Fliederbusch, Holderbusch, Holler, Kelkenbusch
Inhaltsstoffe
Blüten: Flavonoide, Phenolcarbonsäuren, Triterpene, Sterole
Beeren: Polyphenole wie Flavonoide einschließlich Anthocyane sowie Catechin und Epicatechin, Pflanzensäuren wie Amino-, Fett-, Frucht- und Phenolcarbonsäuren, B-Vitamine, Vitamin C und E, Mineralstoffe wie Calcium und Magnesium, Spurenelemente wie Eisen, Kupfer, Mangan und Zink, cyanogene Glykoside, Zucker wie Glukose, Fructose und Sucrose
Knospen: Flavonoide, Phenolcarbonsäuren, Schleimstoffe, Gerbstoffe, Triterpene, Vitamine, Mineralstoffe
Wirkung
Blüten: schweißtreibend, entzündungshemmend, schleimlösend, harntreibend
Beeren: antimikrobiell, entzündungshemmend, immunmodulierend, tumorprotektiv, antidiabetisch, neuro- und kardioprotektiv, mild abführend
Knospen: immunstärkend, schweißtreibend, harntreibend, Lymphfluss anregend, mild abführend
Anwendung
Blüten: Erkältungen, Sinusitis, Bronchitis
Beeren: Erkältungen, Infektanfälligkeit, chronische Entzündungen
Knospen: Infektanfälligkeit, Sinusitis, Bronchitis, Lymphstau, Neuralgie, Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Akne
Nebenwirkungen
Übelkeit, Erbrechen, Durchfall durch frische Beeren
Gegenanzeigen
Kinder und Jugendliche bis 12 Jahre, Schwangerschaft und Stillzeit, bekannte Überempfindlichkeit
Wechselwirkungen mit Medikamenten
Holen Sie sich vor einer Kombination mit anderen Medikamenten oder Arzneipflanzen ärztlichen Rat oder erkundigen Sie sich in Ihrer Apotheke.
Naturphilosophische Prinzipien/Kräfte/Signaturenlehre
TCM: eliminiert Wind-Hitze, eliminiert heißen Schleim, beruhigt Wind, tonisiert Weiqi (Abwehrqi) und Blut (Beeren)
Vorstellung und Geschichte
Der schwarze Holunder ist ein bis zu zehn Meter hoher Strauch, den man hierzulande nicht nur entlang von Gewässern in Wäldern oder Hecken, sondern auch an Straßenrändern, Bahndämmen oder Schuttplätzen antreffen kann. An seinen ausladenden Ästen wachsen gegenständig Fiederblätter, die meist aus fünf Einzelblättern mit grob gesägtem Rand bestehen. Diese bis zu fünfzehn Zentimeter langen Fiederblättchen haben eine dunkelgrüne Blattoberseite und eine hellere Unterseite, die aufgrund feiner Blatthaare gräulich wirken kann.
Im Juni schmücken den Holunder zahlreiche wohlriechende, weiße Blüten, die dicht zusammen in tellerförmigen Trugdolden von bis zu fünfundzwanzig Zentimeter Durchmesser stehen. Im Herbst reifen dann die kleinen, beerenförmigen Steinfrüchte. Sie gaben dem Holunder mit ihrer schwarzen Farbe seinen Namen und ziehen die ursprünglich nach oben ragenden Dolden schwer nach unten.
Der Holunder sollte einst vor zahlreichen Gefahren schützen. Dazu gehörten Brände, Blitzeinschlag, Magier, Hexen, Schlangenbisse und Mückenstiche. Ebenso standen junge Ehen, Witwen und Waisen unter seinem Schutz. Man ging davon aus, dass in ihm die guten Hausgeister wie die aus dem gleichnamigen Märchen bekannte Frau Holle wohnen, weshalb man den Holunder nicht nur in den Garten pflanzte, sondern auch den Hut zog, um ihm seine Ehre zu erweisen, wenn man ihn sah. Schon die Germanen nahmen an, dass der Holunder Wohnsitz der Frigg sei, der Beschützerin von Haus und Hof. Unter dem Holunder baten sie Holla, die Göttin der Quellen und Brunnen, um fruchtbare Felder. Zugleich galt der Holunder als Tor zur Unterwelt. Aus Schweden stammt die Legende, dass in der Mittsommernacht der Elfenkönig mitsamt seinem Hofstaat unter dem Holunderstrauch anzutreffen sei.
Anwendung und Wirkung
Unabhängig von zahlreichen Bräuchen kann der Holunder kulinarisch und medizinisch vielseitig genutzt werden. Angesetzt mit Wasser, Zucker und Zitrone sind Holunderblüten als Sirup eine beliebte Zutat von Erfrischungsgetränken. Ebenso kann man die Blüten in einen flüssigen Pfannkuchenteig tauchen und in Butter ausbacken. Ihr oben herausragender Stiel lässt sich vor dem Verzehr einfach aus dem fertigen Pfannkuchen herausziehen. Die getrockneten Blüten werden als schweißtreibender Arzneitee bei Erkältungen mit Fieber und Frösteln verwendet. Zudem wirken die Blüten ebenso wie die Knospen schleimlösend in den Atemwegen und harntreibend.
Um einen Knospenauszug herzustellen, können die Blattknospen des Holunders in einer Mischung aus Alkohol, Glycerin und Wasser mazeriert werden. Das so gewonnene Gemmomazerat des Holunders soll nicht nur festsitzenden Schleim bei Nasennebenhöhlenentzündungen und Bronchitis lösen, es soll auch den Lymphfluss fördern und den Darm stimulieren. Zusätzlich stärkt es, wie die Holunderbeeren, das Immunsystem. Der Knospenauszug des Holunders hat sich erfahrungsgemäß nicht nur bei Infektanfälligkeit, verschleimten Atemwegen oder Lymphstau bewährt, sondern auch bei Neuralgien und Hauterkrankungen.
Die Beeren können im Herbst mit Wasser, Zitronensaft und Zucker ausgekocht und zu Holunderbeerensaft verarbeitet werden. Der Saft oder Tee aus getrockneten Beeren werden aufgrund ihres Gehalts an Vitamin C, Zink und Polyphenolen traditionell zur Stärkung des Immunsystems eingesetzt. Die Polyphenole wirken zusammen mit den Vitaminen C und E sowie einigen Spurenelementen aber auch antioxidativ und entzündungshemmend sowie kardio- und neuroprotektiv. Auf den Genuss frischer Beeren sollte man jedoch verzichten, da sie cyanogene Glykoside wie Sambunigrin enthalten. Dieses wird im Körper zu Blausäure umgewandelt und kann Übelkeit, Erbrechen und Durchfall verursachen. Durch das Erhitzen wird das Glykosid zerstört.